Nix los! Nix los??

Dieter ist enttäuscht. Wieder ein Tag ohne wirkliche Fotomotive. Und was ist ein Wandertag ohne Fotomotive? Meint er. Selbst der Wind habe nachgelassen... also auch in dieser Hinsicht nix los! 

 

Mein Wander-und Pilgerlehrling hat somit selbst im dritten "Lehrjahr" seine Lektion noch nicht gelernt. Wandern und erst recht das Pilgern reduziert sich nicht auf eine Summe von Fotos. Oder auf den Triumph darüber, im Alter etwas geschafft zu haben, was andere im ähnlichen Alter nicht mehr schaffen. Wandern und gerade Pilgern muss mehr sein. Ich schenke es mir jetzt, hier nochmal zu wiederholen, was es mir bedeutet. Das habe ich an anderer Stelle in diesem Blog getan.

 

Ein kleines Beispiel dafür ist aber unsere Gastgeberin in Wildeshausen, Frau Huntemann. Schon gestern bei unserer Ankunft umsorgte sie uns fürsorglich, heute Morgen setzt sie sich mit zu uns an den Frühstückstisch in ihrer Küche. Sie erzählt vom frühen Tod ihres Mannes, von ihren Kindern und Enkelkindern, von ihrem Engagement als Bürgerbus-Fahrerin, von ihren überstandenen Hüftbeschwerden und dass sie immer noch Skifahren kann. Der Abschied vor der Haustür ist herzlich und natürlich wird er auf Fotos festgehalten. Für mich eine schöne und bereichernde Begegnung auf dem Weg - und ein wahrlich schönes Fotomotiv.

 

Das typische Karfreitag-Wetter ist es erstmal nicht. Die Sonne scheint zunächst von einem nahezu wolkenlosen Himmel. Okay, tropisch warm ist es nicht, vielleicht 10 °C. Immerhin ist es gerade mal Mitte April. Dafür hält sich der Wind noch sehr zurück, was selbst Dieter wohlwollend bemerkt. Des Lobes voll ist er unterwegs sogar von der Beschaffenheit des Weges. Der "Geestweg", wie unsere Rennbahn sich seit gestern und noch für die nächsten zwei Tage außer Jakobsweg ebenfalls nennt, kommt ihm sehr recht. Wir befinden uns ja nun in der Wildeshausener Geest, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Nordwestdeutschlands. Geest bezeichnet dabei eine Landschaftsform in Norddeutschland, den Niederlanden und Dänemark, die durch Sandablagerungen während der Eiszeiten entstanden ist. Weite Kiefernwälder, nur selten mal abgelöst durch eine freie Acker- oder Weidenfläche, bestimmen für uns das Bild. Wir ziehen auf breiten Wegen durch sie hindurch, das "Geläuf" wechselt zwischen relativ weich (bei feuchtem Sandbelag) und recht weich (bei trockenem Sandbelag), aber immer ganz nach Dieters Geschmack. Wir kommen also gut voran und ehe wir uns versehen, liegt auch schon mehr als die Hälfte unseres Tagespensums hinter uns. 

 

Eine Bank am Waldrand kommt da gerade recht, um unser Tempo etwas zu drosseln, denn weit ist es bis zu unserem Ziel Harpstedt nicht mehr. Während wir unsere Füße von uns strecken, von der Sonne bescheinen lassen und über einen der wenigen gepflügten Äcker des heutigen Tages schauen, bemerkt Dieter trocken: "Wo ist die Gülle? Noch nicht mal die Äcker stinken heute! Also auch in dieser Hinsicht nix los!" I love him!

 

Zu guter Letzt bekommt Dieter dann doch noch sein Fotomotiv. Nach weiteren fünf Kilometern bei zunehmend bewölktem und windiger werdendem Wetter mit "Nix los" erhebt sich relativ am Ortseingang von Harpstedt eine stattliche Kopfwindmühle, wie man sie so aus Holland kennt. Vom ALDI-Parkplatz aus kann man sie gut fotografieren. Endlich was im Kasten!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Niels (Freitag, 14 April 2017 22:24)

    Momentchen mal, kein Kuchen heute?!