Noch nicht mal Fotos...!

Wenn der Leser heute Fotos in der unteren Bildergalerie vermisst, so liegt das nicht an meinem Unvermögen, welche in den Blogbeitrag einzustellen oder an irgendwelchen technischen Problemen, sondern schlicht an der Tatsache, dass es nichts Lohnenswertes zu fotografieren gab. Dieter hat es noch mit zwei Enten versucht, die einer ihm unbekannten Rasse zu entstammen schienen, aber die habe ich mir auch noch geschenkt.


Erwähnenswert für heute ist die 500-Kilometer-Grenze, die ich heute überschreite. Ein Viertel der Strecke meiner Pilgerwanderung habe ich damit schon hinter mich gebracht. Nicht schlecht!


Das zweite Erwähnenswerte sind die 4 °C, die wir beim Start in Grasberg vorfinden und die sich den ganzen Tag über kaum steigern. Ganz im Gegenteil! Da immer wieder Wind auffrischt und sich die Sonne kaum mal blicken lässt, hilft nur ein schneller Schritt, um zum einen den Temperaturpegel des Körpers etwas klettern und zum anderen, um diesen Tag und diese Strecke möglichst schnell hinter uns zu lassen. Immerhin geht es heute fast 30 km auf meist schnurgeraden Wegen, die kaum mal eine Krümmung aufweisen, durchs norddeutsche Flachland. 


D.h., so richtig flach wie in den letzten beiden Tagen ist es gar nicht mehr. Das Urstromtal der Weser haben wir durchschritten, jetzt schließt sich wieder der nördliche Geestrücken an. Es wird welliger. Aber kaum ein Wäldchen, kaum eine Buschreihe gibt mal Windschutz. Immer erwischt uns der kalte Nordwind von vorn. Ich schließe meinen Anorak bis ganz oben, drücke mir meinen Hut fest auf den Kopf und ziehe meine Hände in die Anorakärmel ein. Wenn ich kalte Hände bekomme, will das schon was heißen. Es tritt bei mir sogar ein Phänomen auf, das bei mir nur bei stark empfundener Kälte vorkommt. Immer wenn ich meine Stirn runzle und sie dann wieder entpannen möchte, werden die Falten gar nicht mehr glatt.


Das dritte Erwähnenswerte für den heutigen Tag ist wieder die angespannte Rastsituation. Fast 30 km verlangen nach Rastmöglichkeiten, aber Kälte und Wind lassen die Auswahl schrumpfen. Wie wäre es schön, sich mal für einen Moment in eine Wiese zu werfen, sich von harmlosen Insekten umschwirren und von der Sonne anlächeln zu lassen. Aber wer macht das bei Wind und 4 °C? Man(n) könnte sich auch gegen einen Baum lehnen. Aber wer macht das schon, wenn entweder gar keine Bäume zur Verfügung stehen oder der Wind durch deren gerade aufgeblühten Blätter rauscht? 


Bleiben wieder mal die windgeschützten und angenehm temperierten Gasträume von Cafés oder Gaststätten in den Dörfern auf dem Weg. An Dörfern auf dem Weg fehlt es nicht, vier sind es immerhin. Aber in Westertimke ist der Gasthof am Ortsende geschlossen, in Kirchtimke machen sie erst um 15.30 und 16.00 Uhr auf, in Badenstedt findet sich erst gar nichts (bis auf die grüne Abdeckungshaube eines Abfüllstutzens für den Gülletank nebendran - für den ich dann das einzige Foto des Tages übrig habe) und in Oldendorf schickt uns ein Mann zur vermeintlich offenen Kneipe ("Da bin ich gerade rausgekommen!"). Mit dem Ergebnis, dass wir diese auch wieder verschlossen vorfinden. Wir verschnaufen dort dennoch einen Moment auf der etwas windgeschützten kleinen Raucherterrasse und machen uns dann - mittlerweile ganz schön gehfaul - an die letzten drei Kilometer.


Auch diese schaffen wir noch, aber jetzt reicht es auch! Wie eine rettende Oase erblicken wir am Anfang der kleinen Fußgängerzone von Zeven ein Café. Auch wenn es nur noch ein paar hundert Meter bis zu unserer Unterkunft sind, können wir dieses (im wahrsten Sinne des Wortes) nicht links liegen lassen. Von sechs Angeboten aus der Kuchenauswahl sind für Dieter allerdings zwei auserwählte Wünsche "leider ausgegangen". Mein Kuchenstück ist entschieden zu klein und meine heiße Schokolade ist lauwarm. Irgendwie passt heute alles!


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Kommentare: 5
  • #1

    Lore (Dienstag, 18 April 2017 19:58)

    Tja, so ist Pilgern.
    Soll ja nicht hauptsächlich Vergnügen sein.
    Also Ihr Zwei: vorwärts vorwärts vorwärts.....

    Für die kommenden 1.5oo km wünsche ich Euch passende Rastplätze, lauwarmen Sonnenschein, abwechslungsreiche Wege, eine sich immer wieder glättende Reinhard-Stirn, Füße mit Durchhaltevermögen, hier und da ne Spende, nette Begegnungen und zufriedenstellende bis sehr gute Übernachtungsquartiere.

    Guten Abend und gute Nacht (immer)!
    Lore

  • #2

    Die Pilgertochter (Dienstag, 18 April 2017 20:03)

    Ohje! Es kommen auch wieder bessere Tage. Gelobt sei, was hart macht! Glückwunsch zur geknackten 500er-Marke!

  • #3

    Peter (Dienstag, 18 April 2017 20:30)

    Hallo Ihr 2,Glückwunsch zur 500er Marke.Kein einziges Foto,das Leben kann so hart sein.
    Es kommen schon wieder bessere Zeiten.Immer schön fröhlich bleiben,gell.
    Gruß Peter aus Lohmar

  • #4

    Tina (Dienstag, 18 April 2017 22:04)

    Na, denn ...Moin, Moin...schade, das ihr heute leider kein Foto für uns habt....

  • #5

    Der Kronprinz (Mittwoch, 19 April 2017 17:29)

    Na endlich mal echtes Pilgern...!