Ohne Mühen

Als ich aufwache, ist postwendend ein kleines Männlein dabei, mir mit einem kleinen silbernen Hämmerchen von innen gegen die Schädeldecke zu schlagen. Das soll wohl heißen "Du-sollst-das-doch-nicht-tun!!!" Jaaa, Männlein, aber der Ouzo wurde doch nur ausgeschenkt, um das Abendessen bekömmlicher zu machen... Und ich habe viel gegessen! Dann darf es doch auch mal der ein oder andere Ouzo mehr sein, vor allem, wenn er so nett vom Gastgeber angeboten wird! Astrid hatte ungeheuer lecker gekocht, Gyros gab es vom eigenen Lamm, mit allem was zu Gyros so dazu gehört. Tja, und dann kam zu dem Mahlzeit begleitenden Bier eben noch zur Abrundung der Ouzo dazu... Außerdem hat man sich ja auch so einiges zu erzählen, wenn man sich gut versteht. Dann darf man doch auch so ein Verdauungsgetränk nicht ablehnen, das ist doch unhöflich! Also ich habe jedenfalls alles richtig gemacht - nur dieses kleine Männlein macht den ganzen Morgen über einiges falsch.


Dort, wo gestern Abend Gyros und Ouzo verzehrt wurden, nehmen wir heute früh auch wieder gemeinsam das Frühstück ein. Die netten Gespräche von gestern werden fortgeführt und es ist schön zu bemerken, dass man ähnlich tickt. Länger als üblich bleiben Dieter und ich am Frühstückstisch sitzen und erfreuen uns daran. Doch dann muss doch endlich zum Aufbruch geblasen werden - aber nicht ohne eine kleine Führung draußen. Klaus zeigt uns noch sein kleines Camping-Areal mit dem Badesee samt Steg und vor sich hindümpelndem Kanu sowie einer schönen Lagerfeuerstelle. Neben all dem gibt es einen großen Stall, in dem ein paar Mutterschafe mit ihren Lämmern stehen, die anderen bevölkern den Deich. Klaus ist also nicht nur Pensionsbetreiber und Camping-Platzwart, sondern auch noch Schäfer. Und ich bin mir sicher, dass er und seine Astrid das mit Herzblut tun.


Bevor wir uns dann doch auf den Weg machen, erfolgt noch ein ausführliches Fotoshooting: Ich fotografiere, Dieter fotografiert, Klaus fotografiert. Da aber dadurch ja immer einer auf dem Foto fehlt, hält Klaus kurzerhand ein Auto an, das gerade vorbeifahren möchte, und bittet den Insassen (den er aber offensichtlich kennt) auch noch ein Foto von uns allen Vieren zu machen. So geschieht's. Jetzt aber los. Astrid und Klaus winken hinter uns her. Auf einer solch langen Wanderung gibt es immer mal Unterkünfte, die man irgendwann nochmal aufsuchen möchte. Das "Alte Fährhaus" gehört für mich zweifellos dazu. Eine Empfehlung geht auch an alle meine Leser!


Dieser Tag wird ein leichter sein! Auf der kleinen Straße geht es zunächst mal weiter am Stördeich entlang. Auch wenn ich gerne oben auf dem Deich gehen würde, bietet sich dies heute für mich nicht unbedingt an. In relativ kurzen Abständen sind Schafszäune über die Deichkrone gespannt und würden immer wieder zu kleinen Problemen führen: Wheelie abschnallen, ihn über den Zaun wuchten, selbst drübersteigen, Wheelie wieder anschnallen. Außerdem ist die Deichkrone mit Sicherheit so vollgesch..., dass ein Ausweichen für Füße und Räder kaum möglich wäre. Dieter gefällt ganz besonders, dass der Deich offenbar hervorragend als Windschutz dient, und je länger dieser Umstand andauert, desto mehr nähert sich seine Laune Spitzenwerten. Als dann noch der Weg durch einen Wald ein weiches Geläuf hinzukommen lässt und zur Rast in einem Vorort von Itzehoe bei einem Bäcker im NETTO Sitzplätze zu ergattern und Mandelhörnchen zum Kakao zu vernaschen sind, scheint dieser Tag für Dieter kaum noch zu toppen zu sein. Aber das ist ja alles noch gaaaar nichts!


Etwa eine Viertelstunde nach den Mandelhörnchen - Heiligenstedten mit seiner alten Kirche und seiner Brücke über die Stör liegt gerade hinter uns - stoßen wir auf die Trasse einer ehemaligen Eisenbahnlinie, und genau die ist für den Rest unseres heutigen Wandertages unsere "Rennstrecke". Dieter ist nicht zu halten! Gerade Strecke, breiter Weg mit fußfreundlichem Untergrund, kein Wind, da geschützt von Büschen und Bäumen - Dieter fliegt förmlich dahin. Seine Füße berühren kaum den Boden. Auch wenn ich hinter ihm her eile, so erkenne ich deutlich, wie seine Mundwinkel fast die Ohren berühren. "Jetzt siehst du mal, was wahrlich in mir steckt!", ruft er zu mir nach hinten, und ich hoffe, dass er dabei immer noch grinst.


Bei diesem Tempo haben wir natürlich unser Tagesziel, den Hof Amling in Schlotfeld, schnell erreicht. Zu unserer Freude und Überraschung erwarten uns dort eine Ferienwohnung in einem kleinen Blockhaus - und abends drei Spiegeleier mit Bratkartoffeln.


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Kommentare: 1
  • #1

    Der Kronprinz (Dienstag, 25 April 2017 14:03)

    So so, trotz stark voran geschrittenem Alter noch alkoholische Eskapaden. Das lob ich mir...